MÄRCHEN #1: MEHR TEXTUR BEDEUTET MEHR GRIP.

Eines der häufigsten Missverständnisse bei Einweghandschuhen ist, dass mehr Textur zu mehr Griffigkeit führt. Tatsächlich hat die Textur sehr wenig Einfluss auf den Grip. Es ist möglich, einen extrem texturierten Handschuh mit niedrigem Griff («low tackiness») und einen glatten Handschuh mit hoher Griffigkeit («high tackiness») herzustellen.

Die Oberflächenbehandlung ist der wichtigste Einflussfaktor für die Griffigkeit eines Handschuhs. Latex ist von Natur aus klebrig und ohne ordnungsgemässe Verarbeitung klebt Naturlatex wie ein grosser Klebstoffball zusammen. Um dies zu vermeiden, wird die Oberfläche behandelt – beispielsweise durch Chlorierung und Beschichtung. Die Chlorierung verändert die Oberflächeneigenschaften und bildet eine harte, weniger griffigere Hülle. Die Beschichtungstechnologie hingegen verleiht dem Einweg-Handschuh eine neue, weniger griffige Schicht. Dies gilt im Übrigen auch für Nitril-Handschuhe.

Beispiel eines durchschnittlich griffigen Handschuhs: DYNOsense whiteNitrile DW+ 300
Beispiel eines sehr griffigen Handschuhs: DYNOsense whiteNitrile DW+ 300 ST (super tacky)

DYNOsense Reinraum-Nitril-Handschuhe 

MÄRCHEN #2: EINWEG-HANDSCHUHE KÖNNEN AUS «100%» NITRIL ODER LATEX SEIN.

Händler von Einweghandschuhen beanspruchen häufig eine von «100%-ige Zusammensetzung» der jeweiligen Materialien. Ohne Zusatzstoffe ist es jedoch so gut wie unmöglich, aus jedem dieser Materialien einen brauchbaren Handschuh herzustellen. Die Zugabe von Härtungsmittel, Vernetzungsmitteln und Beschleunigern ist unerlässlich, um einen starken, langlebigen Handschuh herzustellen. Tenside, die bei der Filmformulierung helfen, sind ein weiterer Zusatz, der in den meisten Handschuhen zu finden sind. Handschuh-Rezepturen benötigen in der Regel 4-10% Zusatzstoffe.

 

MÄRCHEN #3: "PUDERFREI" BEDEUTET "SAUBER". 

Die Oberflächenbehandlung durch Chlorierung und die Zugabe einer Wachs- oder Polymerbeschichtung sind die häufigsten Methoden mit denen Rest-Puder aus einem Handschuh entfernt wird. Chlorierung ist das traditionelle Verfahren und führt dazu, dass die Handschuhe von Chemikalienresten befreit werden.

Wachs- und Polymerbeschichtungen ermöglichen es Herstellern, die Reinraum-Handschuhe ganz ohne Chlorierung und Waschen von den Keramikformen abzuziehen und sie anschliessend zu verpacken. Diese Beschichtungen können jedoch Rückstände von Chemikalien hinterlassen, wenn die Handschuhe nicht richtig gewaschen werden. Obwohl meistens unschädlich, können die Restchemikalien zur Reizung der Haut oder zur Prozesskontamination beitragen.

 

MÄRCHEN #4: ALLE EINWEGHANDSCHUHE SIND IM GRUNDE GENOMMEN GLEICH. 

Einweghandschuhe gibt es in verschiedenen Materialarten. Die gängigsten Typen werden aus Nitril und Naturlatex hergestellt. Im Allgemeinen wird Nitril oft als Premium-Alternative zu Latex angesehen. Tatsache ist, dass die beiden Materialien nicht in allen Anwendungen in ihrer Leistung gleich sind: Nitril hat eine bessere Durchstossfestigkeit und widersteht insgesamt mehr Chemikalien, einschliesslich Ölen und Lösungsmitteln. Latex hingegen hat eine bessere Reissfestigkeit, ist elastischer und bietet dadurch einen höheren Komfort.

Weitere Faktoren, die die Leistung eines Reinraumhandschuhs beeinflussen, sind Rezeptur, Produktions- und Waschprozess. Diese unterscheiden sich von Handschuh zu Handschuh erheblich und können in den meisten Anwendungen zu Leistungsunterschieden führen. Leistungsparameter wie Griffigkeit, Partikelkontamination, AQL-Werte und Normenerfüllung werden wir an einer anderen Stelle thematisieren.

 

MÄRCHEN #5: GÜNSTIGERE HANDSCHUHE FÜHREN IMMER ZU KOSTENEINSPARUNGEN.

Einer der grössten Fehler von Einkaufsabteilungen ist der Kauf ausschliesslich auf der Grundlage des Preises. Der Gesamtwert eines Handschuhs ist viel komplexer als der Preis einer Box oder eines Beutels. Zusätzlich zum Preis sollten Käufer beispielsweise die Haltbarkeit in der Anwendung und potentielle Sicherheitsrisiken berücksichtigen.

Leider sind viele Reinraumhandschuhe mangelhaft konzipiert oder verarbeitet. Sie sind oft unausgehärtet und halten in der Anwendung nicht lange Stand. Wo bei medizinischen Untersuchungsanwendungen Einweghandschuhe in der Regel nur wenige Minuten lang getragen werden, erfordern viele industrielle Anwendungen den mehrstündigen Dauereinsatz eines einzigen Paars. Dabei spielt natürlich der/die Mitarbeitende eine entscheidende Rolle: Ist der Einweghandschuh robust und angenehm zu tragen, ist die Produktivität höher und die Arbeitskraft zufriedener!

Quellen: Jason Baker, Matthew Wagner, Urs Bachmann, Felix Darrel.